Magical Tome

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Jean-Baptiste Greuzes Genreszenen als aufgeklärte Bildkritik. Britta Hochkirchen geht den bildtheoretischen Implikationen im Werk des französischen Genremalers Jean-Baptiste Greuze in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach. Greuze wählte als Hauptmotiv seiner Gemälde immer wieder junge, deflorierte Mädchen. Diese nur vermeintlich schlichten Genreszenen lassen ein wiederkehrendes ambivalentes Bildschema erkennen: Auf der motivischen Ebene findet sich Jungfräulichkeit mit den Zeichen ihres Verlusts überblendet; die Darstellungsform hingegen changiert zwischen Sittengemälde und Porträt, sinnlicher Präsenz und codierter Lesbarkeit. Doch was steht mit dem Topos des Verlusts der Unschuld für das Bild im Zeitalter der Aufklärung auf dem Spiel? Greuzes Darstellungen deflorierter Mädchen präsentieren das neue reflexive Bildverständnis der Aufklärung, indem sie die Unschuld als Repräsentationsideal des Ancien Régime bildimmanent unterlaufen. Als aufgeklärte Bildkritik eröffnen sie mithilfe medieneigener Mittel die Erkenntnis über die zugrunde liegenden Mechanismen visueller Repräsentation.
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